Neues zum Thema Management-Circle

Die einfache Orientierung für Manager (oder Unternehmer), die unter dem Begriff Management-Circle zusammengefasst wird, ist immer noch ein gutes Modell. Es hat seit seiner Erfindung vor ungefähr 50 Jahren diverse Relaunches erfahren: andere Begriffe, weg vom Kreis zu Stufen, dann mehr Stufen, hin zu Dreiecken und so weiter. Und natürlich sind nicht alle Veränderungen auch Verbesserung gewesen. Manche Ausdifferenzierungen haben diese einfache und hochwirksame Wasserwage zu einem nicht mehr handhabbaren Hightech-Werkzeugkoffer verwurstet. Deshalb erscheint nun wieder das eine oder andere „neue“ Manager-Lehrbuch, wonach Führung Klarheit braucht – was natürlich zutrifft. circle

Kürzlich stieß ich in einem meiner Vorträge aus der Zeit um die Jahrtausendwende auf das Thema Management-Circle. In einer dazu gehörenden Grafik verwendete ich unter anderem den Begriff „Durchführung“, was schon damals nicht besonders unklug war. Denn heute steht in moderneren Grafiken an derselben Stelle einer ähnlichen Grafik innerhalb eines Vortrages von Kollegen nicht selten „Entscheidung“.

In Harry Potters Welt erklärt Albus Dumbledor seinem Novizen Harry eben diese Welt mit dem tiefsinnigen Hinweis, wir würden nicht an unseren Gedanken und Ideen gemessen, sondern an unseren Entscheidungen. Das stimmt irgendwie, aber sorry, lieber Professor, es ist zwar eine wunderbare Sichtweise – und sie ist leider nicht hinreichend. Weil Entscheidungen nicht unbedingt das bewirken, was sie sollten: Handlungen. Wer hat in seinem Leben nicht unzählige Entscheidungen getroffen, die nichts und wieder nichts bewirkt haben, weil keine Handlung (umsetzen, realisieren, machen) daraus wurde: abnehmen, das Rauchen aufgeben, sich trennen, sparen, jemanden entlassen, jemanden einstellen, schlechte Gewohnheiten aufgeben usw. Will sagen: eine Entscheidung ohne die daraus folgende Handlung ist wie keine Entscheidung. Ich bin mir nicht sicher, ob wir am Ende – lieber Dumbledor – überhaupt gemessen und beurteilt werden, aber falls doch, dann sicher daran, was wir getan oder nicht getan haben, nicht so sehr, was wir gedacht haben (was in vielen Fällen furchtbar wäre; überlegen Sie mal, was für einen Müll wir manchmal im Kopf haben; pardon, Sie natürlich nicht).

Mithin ist mit einer Entscheidung nichts erreicht außer vielleicht der Illusion, etwas getan zu haben. Und warum nur ist es manchmal so schwer der Einsicht (Entscheidung) Taten folgen zu lassen? Es ist die Angst vor Konsequenzen, Auswirkungen, Folgen, Unwägbarkeiten usw. die gern die Hand an der Bremse hat. Auch hinter der Trägheit, die oft vorgeschoben wird, steckt Angst. Und wer um jeden Preis geliebt oder auch nur „gemocht“ werden will (fast alle wollen mindestens gemocht werden, aber nicht zu jedem Preis) und deshalb keine Handlung aus seiner Entscheidung folgen lässt, der wird die andere Seite der Wahrheit nicht leben können: Manager müssen manchmal Schaden anrichten, um noch größeren Schaden zu verhindern. Dafür werden sie kritisiert, angefeindet, nicht selten verachtet. Na und? Aus Sicht derjenigen, die lieber eine falsche Entscheidung wollen, als keine, ist derjenige, der nichts tut das unangenehmere Übel. Es gibt Phasen im Managerleben, in denen das Handeln schwerfällt. Ich habe diese Phase in meinem Leben als Manager noch gut in Erinnerung, obwohl seitdem fast zwanzig Jahre vergangen sind. Und auch das, was ich damals bei anderen wahrgenommen habe, erinnere ich noch: deren Angst vor meinem Nichthandeln – und den Fehlern, die daraus entstehen würden.

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