Neues zu Kreativität, Kommunikation und Kapital (The-Big-3K)

Wer den Begriff Kreativität hört denkt schnell an Pablo Picasso,  Mies van der Rohe oder Richard Wagner. Also an Kultur. Bei Kapital fällt manchem noch Karl Marx ein. Und bei Kommunikation? Der eine oder andere Experte erinnert sich vielleicht knapp an Friedemann Schulz von Thun. Und den Extremsportlern unter den Beratern und Coaches fällt noch Niklas Luhmann ein. Aber den meisten: kein Name, kein Hero, kein Säulenheiliger. Das ist seltsam, denn es gäbe keine Gesellschaft, keine Firma, keine Familie und kein einziges soziales kulturelles System in der Welt ohne Kommunikation. Kommunikation, von Luhmann zu dem Treibriemen aller symbolisch generalisieren Medien schlechthin erhoben (Medien bei Luhmann sind zum Beispiel Geld in der Wirtschaft, Macht in der Politik, Einfluss in der Kultur, Glaube in der Religion usw.), führte Jahrtausende lang ein Schattendasein unter der Wasseroberfläche des Bewusstseins. Kaum einem ist bewusst: Wir sind Kommunikation.

Zum Glück haben vor zwanzig oder dreißig Jahren paar Berater und Business-Coaches aufgepasst und bieten ihren Kunden und Klienten Kommunikationsinstrumente und -trainings an. Viele, sicher nicht alle Kommunikationscodes sind inzwischen decodiert und reproduzierbar und also gut vermittelbar. Aber es lässt sich erlernen wie mittels Sprache und der Organisation von Prozessen genau die Wirkungen hinterlassen werden, die hinterlassen werden sollen – und das nicht nur zufällig.

Mein Vater, 1912 bis 1995 (!) hat manche dieser modernen Werkzeuge erahnt und genutzt aber schon deshalb kein einziges Buch darüber gelesen, weil er als Maschinen-Ingenieur nicht an die Psychologie oder Kommunikationstheorie als Wissenschaft glaubte. (Beide hätte er eher als Hilfswissenschaften interpretiert. Nun ja, auch Ingenieure machen Fehler.) Ich erinnere mich gut daran als er mir – seine Augen stets argusartig in meine gebohrt – zum Beispiel folgende Sachverhalte erklärte: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu.“ Oder: „Und ist der Handel noch so klein, er bringt doch mehr als Arbeit ein.“ Und: „Wenn das die Lösung sein soll, dann hätte ich gern mein Problem zurück.“ Es selbst hat sich nicht immer an solchen Weisheiten orientiert. Und dass Handel harte Arbeit sein kann hat er auch nie verstanden. Aber er hat immerhin gewusst wie man Erkenntnisse merkfähig macht: durch Verallgemeinerung, Clusterung, Rhythmik, Formen, Ideen, Tempo, Verblüffung, Provokation, Störungen usw. Und er hatte mit solchen und ähnlichen Sätzen ohne jede Absicht die Felder Kommunikation, Kreativität und Kapital besetzt: „The Big 3K“. Alle zusammen wären dann Kultur.

Wenn Kommunikation die entscheidende Konstante in Arbeitsprozessen ist, dann ist Kommunikation auch die entscheidende Klammer zwischen Kapital und Produktivität der Organisation. Das heißt in der Sprache des Kapitals: Verbesserung der Kommunikation bedeutet höhere Produktivität und Profitabilität. Genügt das? Erstens ja und zweitens nein. Der nächste Satz meines Vaters für die Geschichte: „Auf Probleme ist gepfiffen, wir brauchen Ideen.“ Er war bestimmt nicht der Erfinder des Lösungsdenkens, aber er, der Ingenieur hat gewusst, dass nicht Meckern und Fluchen die Maschine zum Laufen bringt, sondern eine Idee. Ideen sind der Ausdruck von Kreativität, also ihr Medium.

Den Ideen ergeht es übrigens ähnlich wie der Kommunikation. Sie führen – außer in kreativen Berufen oder an der Kunsthochschule – ein Schattendasein, sind jedoch auf eine Weise wirkungsmächtig, die einen bei genauem Hinsehen schwindelig macht. Jeden Tag entstehen Milliarden neue Dinge, Themen, Produkte, Konzepte wie aus dem Nichts – und kaum einer spricht darüber, was dahinter steckt. Immer wieder lesen wir in der Fachpresse etwas zum Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Bisher war – meiner Kenntnis nach – nichts zu lesen über intrinsische Kreativität (außer auf dieser Website, siehe unter Neurokinematik). Was ich damit meine, ist, dass Kreativität ein Wesensmerkmal des Menschen ist und nicht auf Picasso, van der Rohe oder Wagner reduziert werden kann. Firmen, Organisation, Unternehmen müssten also geradezu darauf ausgerichtet sein, Ideen – also Neues – zu verhindern, um an diesem ständig fließenden Füllhorn nicht teilzuhaben. Und, jetzt die Provokation: viele Firmen sind es auch. Sie verhindern die Wirksamkeit von Ideen oder auch nur einer Innovation schon vor deren Auftauchen. Und sie verhindern dadurch nicht nur bessere Erträge, sondern auch eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit, was sich wiederum auf die Erträge auswirkt und obendrein noch auf die Mitarbeiterfluktuation. Diese Firmen tun dies durch schlechte interne Kommunikation. Das düster-verborgene Motto: „Es genügt nicht nur keine Ideen zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“

Kommunikation ist der Dünger für Kreativität und deren Umsetzung, Ideen sind die Ladungen, die Kommunikation vorantreiben, fortsetzen und anschlussfähig halten. Beides zusammen erzeugt den Geschäftszweck jeder Organisation, abgesehen von Behörden und NPOs: zum Nutzen und Wohlstand aller Beschäftigten, Gewinne zu erwirtschaften.

Jetzt der Lösungsvorschlag: Liebe Unternehmer, General Manager, Geschäftsführer, bitte richten Sie in Ihrem Unternehmen einen 3K-think-tank© ein. Sie werden – mindestens mittelfristig – dankbar dafür sein.

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