Neues zum Thema Teams und Leitbilder

Sie kennen das: Im TV läuft einer Ihrer Lieblingsfilme. Sie zögern nicht, ihn einzuschalten, obwohl Sie den Film längst als DVD besitzen – und x-Mal gesehen haben. Trotzdem wählen Sie die Fernsehversion (manchmal trotz der Werbeunterbrechung, die mehr als lästig ist und dermaßen ausufert, dass Video-on-Demand Karriere machen konnte. Andere Gründe lassen wir hier weg.) Was steckt hinter der gewählten Präferenz für die Fernsehsendung?

Es ist dasselbe ungeschriebene Gesetz, das aus einzelnen Mitarbeitern Teams entstehen lässt, aus Fischen Schwärme, aus Wölfen Rudel, aus Schafen eine Herde. Das Gesetz lautet:

„Teilhabe an etwas Größerem, als man selbst ist durch gemeinsames Erleben.“ „Das wir entscheidet“, wurde das kürzlich genannt. Mag sein, aber worüber wird entschieden? Und wer ist wir? Möchte ich, dass alle über alles mitentscheiden sollen?

Nein, es geht nicht nur um Schutz, wie in der Tierwelt, obwohl auch daran etwas ist. Es geht vielmehr um das schwer ersetzbare Gefühl dazuzugehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der Ähnlichkeiten und ähnliche Interessen etwas herstellen, ohne das alles irgendwie schlechter funktioniert, langsamer, mühevoller, mithin weniger ist – und auch weniger aufregend. Gäbe es dieses Gesetz nicht hätte die Erfindung einer Marke, die von Werbung getrieben und vom Vertrieb verteilt wird, nie funktioniert.

„Wir-Gefühl“ wird es seit langem genannt. Mit diesem Gefühl kann man Parteien und Vereine gründen, Religionsgemeinschaften beitreten, HSV-Fan (oder Gegner) werden, andere (Meinungen) fertigmachen – auf jeden Fall aber unerhörte Erfolge produzieren, die man allein nie auf den Weg brächte.

Wie beim Fußball? Wie blöde es sich anfühlt, allein vor dem Fernseher zu hocken und das Tor seiner Mannschaft zu bejubeln, lässt sich leicht verifizieren: probieren Sie es aus! Sie werden sich verstohlen einige Momente lang der eigenen Lächerlichkeit preisgeben und hoffen, es hat Sie niemand beobachtet. Aber immerhin könnten Sie wissen, dass ein paar Millionen Zuschauer mit Ihnen GLEICHZEITIG dasselbe Tor bejubeln, und wenn Ihnen das klar wird geht es Ihnen wieder besser. Noch nicht gut, aber besser, und bestimmt werden Sie sich nächstes Mal jemanden einladen zum Fußball. Oder ins Stadion gehen. Da können Sie hautnah erleben, was Teilhabe auslösen kann: starke Emotionen, nach oben oder nach unten, aber immerhin nicht allein.

Es ist die Rede von INTERESSENGRUPPEN, nur viel grundsätzlicher als politisch oder ökonomisch betrachtet. Sondern sozialpsychologisch. Wie kommen diese Gruppen zustande, was lässt manchen die Spielfilmausstrahlung der DVD selben Inhaltes vorziehen – und dann übrigens auch die Werbung hinzunehmen? Auch der Werbekonsum ist Teilhabe, selbst wenn Sie das beworbene Produkt nicht interessiert. Aber Sie nehmen es zeitgleich mit unzähligen anderen zur Kenntnis. Es ist diese Art von Teilhabe durch Gleichzeitigkeit, von Gemeinschaft, die Ihnen das (wenn auch eingeschränkte, illusorische) Gefühl suggeriert dabei und einer von vielen zu sein, bei denen, die dasselbe wollen.

Darum sind Leitbilder eines Unternehmens, die jeder Mitarbeiter kennt, deren Wert er teilt, die ihm Identifikationsmöglichkeiten liefern so wichtig. Und da Leitbilder Ziele formulieren (sollten) bilden gemeinsame Ziele den besten Hebel, Teams zu bilden, sie in Bewegung zu setzen und in Bewegung zu halten. Wieder wie beim Fußball. Wer zu früh allein startet landet im Abseits. Und wer immer wieder zu spät oder gar nicht losläuft, der wird ausgewechselt.

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