Neues zum Thema Kommunikation: Karriere und Verantwortung.

Die Gesellschaft der Erwachsenen ist infantil. Also nicht erwachsen. Wir sind eine Gemeinschaft von Kleinkindern mit Führungsauftrag, Abgeordnetenmandat und Anwaltlizenz. Dass wir nicht erwachsen sind sondern uns sehr oft wie Kinder verhalten, mithin eine unreife Art der Kommunikation pflegen, ist wohl klar. Kinder wollen nichts erklären, sie wollen haben, das sofort und davon ganz viel.

Unsere „Realität“, das heißt, was wir für Realität halten, basiert nicht selten auf Ängsten, Einbildungen, Vermutungen und Vorurteilen. Wir sehen die Welt durch die Brille unserer Erfahrungen und wundern uns wenn andere Menschen zu anderen Ergebnissen kommen, was gar nicht anders möglich ist, denn sie haben andere Erfahrungen gemacht. „Der andere könnte recht haben“, sagt Hans Georg Gadamer.

Bei größeren Themen verlassen wir uns auf die Medien, denn es bleibt uns nichts anderes üblich. Die Realität, in der wir uns bewegen, ist eine Medienrealität: „Wahr ist, was in der Zeitung steht“, hat Axel Springer gesagt. Oder was im Fernsehen zu sehen ist. Längst haben wir keinen ungefilterten Zugriff mehr auf unser eigenes Erleben. Seitdem Presse (etwa seit Beginn des 17. Jahrhunderts), Rundfunk, Fernsehen und Internet uns die Welt erklären sind wir Sekundärsubjekte. Daran ist nicht mehr zu rütteln – es sei denn, wir steigen aus dem Medienrummel aus. Und selbst dann würden wir die medialen Prägungen mitnehmen. Oder sie uns. Sie können es also drehen und wenden wie Sie wollen: Sekundärsubjekte (wir) sind immer auch Kommunikations- bzw. Medienprodukte. Ein wahrlich unheimlicher Gedanke, manchmal offen gelegt dadurch, dass wir unsere Film- und Fernsehhelden imitieren, uns nach Ihnen sehnen, ihre „Weisheit“ und ihr „Wissen“ uns zu eigen machen. Wir erschaffen unsere Stars – sie erschaffen uns.

Vielleicht ist Ihnen die Behauptung, man könne nicht nicht kommunizieren, bereits zu Ohren gekommen. Schließlich ist sie nicht nur in Berater-, Therapeuten und Psychologenkreisen weltberühmt. Ich denke über diesen Satz hin und wider nach, nicht etwa, weil er mir trotz seiner Logik immer wieder als falsch erscheint. Denn die Einwände liegen schließlich auf der Hand: Tür zu, nicht mehr ans Telefon gehen, keine Mediennutzung mehr, die Post ungelesen in den Papierkorb werfen, Freunde braucht man auch nicht … Robinson. Freitags geht man im Wald spazieren. Und wenn einer einen anspricht stellt man sich taub. Man muss mit niemandem reden. Die Lebensmittel werden geliefert, Kleidung gibt’s im Internet. Aha, Ende der Nichtkommunikation: „Wie lautet Ihre Kreditkartennummer?“ Wieder drin im System.

Ich denke deshalb darüber nach weil der Satz, „man kann nicht nicht Kommunizieren“ nichts darüber sagt welche Folgen diese absolute, nicht hintergehbare Kommunikationszwangsvergatterung hat. Wer kommuniziert wie mit wem warum und vor welchem Hintergrund? Was genau ist gemeint mit Hintergrund?

Wissen Sie eigentlich, warum Sie ständig kommunizieren? Weil die Chemie stimmt oder nicht stimmt? (So ein Unsinn, seit einiger Zeit redet fast niemand mehr über diese Art von Chemie, ist Ihnen das aufgefallen? Der dämliche Spruch ist endlich in die Jahre gekommen.) Bevor Sie lange herumdenken biete ich Ihnen eine Antwort an: Sie kommunizieren, weil Sie selbst Kommunikation sind.

Natürlich können Sie so tun als würden Sie nur mit sich selbst reden, vor dem Spiegel Mimik und Gestik einüben, die nur Ihnen allein etwas bedeuten, die also außer Ihnen niemand verstehen könnte. Leider ist das ein Irrweg, denn woher haben Sie Ihre Sprache, die Ihnen erklärt, was zum Beispiel Ihre Mimik und Gestik sagen will? Ich neige nicht nur dazu zu behaupten, dass wir auf der Ebene des Verhaltens unsere Sprache sind (dahinter ist noch etwas anderes, und das lassen wir hier weg!) Sondern ich behaupte obendrein noch, dass das Wichtigste für Ihr Kommunikationsverständnis eine Sprache ist, die eben nicht nur Ihre ist, sondern die Sprache all derer, die Ihre Sprache mitentwickelt haben – und weiter entwickeln werden.

Noch entscheidender ist die Tatsache, dass Sie ohne bewusste, sortierte und strukturierte Sprache deshalb kein gutes sondern eher angstbesetztes Leben führen werden, weil man Sie ausgrenzen wird, weniger oder mehr, früher oder später. Wenn Ihre Kommunikation gut funktioniert werden Sie kaum merken, dass Sie gut und klar und verständlich unterwegs sind. Ergebnis: Karriere. Der Stress fängt an wenn man Sie missversteht weil Sie zweideutig oder unverständlich oder zynisch oder übergriffig in der Welt herumwerkeln. Und wenn es Ihnen egal ist, was Sie wie zu wem sagen. Das Feedback wird gnadenlos sein: Karierreende.

Wenn sich die Leute bei Ihnen beschweren, dass Sie so oder so unmöglich sind, können Sie sicher sein, dass etwas dran ist. Der Hintergrund, von dem ich oben sprach, besteht aus Ihrer Geschichte und der Geschichte Ihrer Kommunikationspartner. Sie sind, nehmen Sie es mir bitte nicht übel, in dieser Hinsicht immer von gestern. Das heißt, Sie sind das Produkt Ihrer Vergangenheit. Die geht zwar mit jeder Sekunde zu Ende, aber kaum ist sie vorbei hat sie Sie schon beeinflusst. Darum sehen wir jeden Morgen nach der Zeitungslektüre die Welt durch die Schlagzeilen der Tagespresse. Oder wir hören dieselbe Welt mit den Ohren, die eben noch den Nachrichten gelauscht haben. Vielleicht hat Ihnen die Werbung auch erzählt, dass die Kirschen in Nachbars Garten … denken Sie jetzt an Kirschen oder an Werbung?

Stellen Sie sich bloß mal vor es gäbe all diese Inputs nicht! Abgesehen davon, dass weder Sie noch ich dazu eine ausreichende Phantasie haben können, tun wir doch mal so als hätten wir! Was hören und sehen Sie dann vor Ihrem geistigen Auge und im inneren Ohr? Ganz genau: absolut nichts.

Wenn Ihre Selbstbeobachtung ein Problem in Ihnen wahrnimmt, oder man verrät Ihnen, dass Sie etwas ändern sollten, dann sollten Sie die Art Ihrer Kommunikation überprüfen. Sie können natürlich so tun als müssten Sie erstmal nichts verändern, und so lange im eigenen Saft schmoren, bis Sie die Lösung, wie Sie das Problem loswerden, selbst gefunden haben. Schlau ist das nicht, denn es kann ewig dauern. Also sprechen Sie besser mit anderen, suchen Sie sich einen Berater oder Coach. Denn damit legen Sie eine erste Hand an die Wurzel Ihres Problems. Zeigen Sie, dass Sie selbst die Regie und die Verantwortung für die Qualität Ihrer Kommunikation übernommen haben.

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