Neues zum Thema Geld

Geld ist einer der präzisesten Indikatoren über Sie und Ihre Beziehung zur Umwelt. Die Art und Weise, wie Sie mit Geld umgehen, sagt mehr über Sie als jedes Glaubensbekenntnis oder tausend verbale oder geblümte oder vergoldete Liebesbeweise für Ihren Partner. Es gibt sehr unterschiedliche Formen, die Geld annehmen kann, Scheine, Münzen, Zertifikate, Aktien usw. Diese verschiedenen Arten von Geld sind hier nicht gemeint.

Dass Geld ein Wert ist wissen nur wenige. Nicht die Welt hängt am Geld sondern das Geld hängt an Ihnen. Besonders, wenn Sie zu wenig oder zuviel davon haben. Es stimmt nicht, dass Reiche Gesundheit nicht kaufen können. Es trifft auch nicht zu, man könne mit Geld sein Leben nicht verlängern. Es trifft aber immer noch zu: Wenn du arm bist musst du früher sterben, mindestens irgendwie schäbiger beerdigt werden. Ich weiß von jemandem, der sich auf dubiosen Wegen ein lebenswichtiges Organ gekauft hat, ohne dessen Transplantation er gestorben wäre. Solche Fälle gehören nur zu den krassen Ausprägungen des Themas Geld, aber es gibt sie. Im Normalfall ist die Sache mit dem Geld viel weniger offensichtlich.

Wenn Sie kurz vor der Insolvenz stehen schrumpft Ihr Gehirn auf Erdnussgröße und hat ausschließlich Raum für eine einzige Frage: „Woher kriege ich neues Geld?“ Wenn Sie so viel Geld haben, dass Sie weder ein noch aus wissen, um zu klären, was Sie damit machen sollen wird Ihr Gehirn zu einem Idiotenhügel, der darüber jammert, dass der Berg zu flach ist um auf Skiern eine anständige Schussfahrt hinzulegen. Der Fluch, der auf dem Geld liegt ist der, entweder zu wenig oder zuviel davon zu haben.

Die einen, die zu wenig Geld haben, sagen, es müsse mehr sein, und die anderen, die zu viel Geld haben, sagen, es muss mehr werden, am Besten immer mehr. Die Frage entzündet sich daran, was Sie zu tun gedenken, wenn Sie genug davon haben. Und was ist genug?

Vor ein paar Jahren hörte ich in einer Talkshow den Regisseur und Drehbuchautor Dieter Wedel einen seiner Filmhelden zitieren: „Ich gebe Geld aus, das ich nicht habe, um Dinge zu kaufen, die ich nicht brauche, um Leute zu beeindrucken, die ich nicht mag.“ Im Publikum brach lautes Gelächter aus, denn die meisten Zuschauer hielten die Idee für urkomisch. Ich fand das nicht vorbehaltlos lustig, denn es trifft auf unerhört viele Menschen im kapitalistischen Abendland zu. Warum?

Die erste simple Antwort scheint zu sein, man könne sich mit Geld Sicherheit und Ansehen erkaufen. Ganz dumm ist dieser Gedanke nicht. Die gesamte Versicherungs- und Immobilien- und Investmentbranche lebt von dieser Idee. Und das nicht schlecht – falls in Ihrem Wertesystem materielle Sicherheit vorkommt.

Die Gemeinheit am Geld liegt in dessen Totalitarismus. Wenn Sie es haben hat es Sie, wenn Sie es nicht haben hat es Sie auch. Wenn Sie knapp bei Kasse oder arm sind ist das keine Schande. Passieren kann das fast jedem. Das Dumme daran ist, das Thema Geld nimmt im Falle dauernder Abwesenheit einen dauerhaften Raum ein, Raum der Sie ansaugt wie ein schwarzes Loch. Bei fast allem, was Sie tun, und noch mehr bei dem, was Sie sich nicht leisten können, schleicht auf gespenstische Art das nichtvorhandene Geld neben Ihnen her. Es kann Ihnen nicht nur Lebensfreude nehmen, sondern auch Ihre Lebensqualität rauben. Sie brauchen eine unerhört große Portion Selbstachtung und Selbstliebe, um nicht in dieses schwarze Loch gezogen zu werden.

Geld macht abhängig, also unfrei. Kein Geld auch. Die Alternative ist aus der Mittellosigkeit einen Kult zu machen. Das können Sie tun indem Sie zum Beispiel Nonne oder Mönch werden und ein Armutsgelübde ablegen. Oder Sie entdecken ein Stück Schönheit darin nichts zu besitzen. Ich habe vor einer derartigen Haltung enorm viel Respekt. Aber eins ist klar: An der Unterhaltungskultur unserer so genannten modernen Gesellschaft können Sie dann nicht teilhaben. Entscheiden Sie selbst ob das ein Verlust ist. Sie haben die Wahl, und eine Wahl zu haben bedeutet Freiheit.

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